Berlin, 14. Oktober 2026. Das Brandgeschehen in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft hat in den vergangenen fünf Jahren erheblich zugenommen. In den 181 im Rahmen der neuen Studie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“ untersuchten Anlagen stieg die Zahl der gemeldeten Brände von 729 im Jahr 2021 auf 2.028 im Jahr 2025 und hat sich damit nahezu verdreifacht. Die Zahl gefährlicher Hotspot-Ereignisse nahm im selben Zeitraum von 1.202 auf 2.992 und damit auf rund das Zweieinhalbfache zu.
Die Untersuchung wurde von ASA, BDE, bvse, CMA und VKU in Auftrag gegeben und von INFA – Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management GmbH, u&i – umwelttechnik und ingenieure GmbH sowie Prognos AG erstellt. Grundlage ist unter anderem eine Erhebung bei 181 Entsorgungs- und Recyclinganlagen aus allen Bundesländern für die Jahre 2021 bis 2025. Die freiwillige Stichprobe ist nicht repräsentativ für sämtliche Anlagen in Deutschland und wird ausdrücklich nicht auf die Gesamtbranche hochgerechnet.
Batteriebrände werden zum Sicherheits- und Wirtschaftsrisiko
Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Sämtliche in der Stichprobe erfassten Brandereignisse verursachten nach Berechnung der Gutachter volkswirtschaftliche Schäden von rund 250 bis knapp 400 Millionen Euro.
Für die Teilstichprobe der Betriebe, die Lithium-Ionen-Batterien als häufigste wahrscheinliche Brandursache angegeben haben,
wurden die Schäden gesondert abgeschätzt. Danach summieren sich die erfassten Schäden batteriebezogener Brandereignisse je nach Annahme auf rund 200 bis 320 Millionen Euro. Dies entspricht rund 80 Prozent der in dieser Auswertung erfassten Brandschäden.
Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer BDE:
„Diese Zahlen zeigen, dass Batteriebrände längst kein betriebliches Einzelproblem mehr sind. Es geht nicht nur um Anlagen und Millionenwerte. Batteriebrände setzen Beschäftigte und Einsatzkräfte Risiken aus und gefährden zunehmend auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit unserer Recyclinginfrastruktur. Die Kreislaufwirtschaft darf nicht dauerhaft die Risiken von Produkten tragen,
deren Gestaltung und Inverkehrbringen sie nicht beeinflussen kann. Produktverantwortung muss deshalb auch Brandrisiken und deren Folgekosten berücksichtigen.“
Das Problem beginnt vielfach vor der Aufbereitung
Ein zentraler Befund betrifft den Ort der Brandentstehung. 2025 entfielen 40 Prozent der Nennungen auf Anlieferung, Lager und Bunker, weitere acht Prozent auf Fahrzeuge. Damit lag der überwiegende Brandentstehungsort bei nahezu der Hälfte der betreffenden Anlagen bereits vor dem ersten Aufbereitungsaggregat.
Lithium-Ionen-Batterien dominieren nach Einschätzung der Anlagenbetreiber sowohl bei den gesicherten als auch bei den wahrscheinlichen Brandursachen. Bei den wahrscheinlichen Brandursachen wurden sie 2025 in mehr als 90 Prozent der Angaben genannt. Zugleich weist die Studie darauf hin, dass sich die konkrete Zündquelle nach einem Brand häufig nicht mehr eindeutig feststellen lässt. Ein statistischer Kausalnachweis für jedes einzelne Brandereignis ist daher mit den vorliegenden Daten nicht möglich.
Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE:
„Die Studie zeigt die entscheidende Schieflage: Falsch entsorgte Batterien gelangen in ungeeignete Abfallströme, während Schäden und Folgekosten bei den Entsorgungsunternehmen entstehen. Unsere Unternehmen können ihre Anlagen technisch immer weiter aufrüsten. Den Fehlwurf lösen wir damit nicht. Deshalb müssen Rückgabe und getrennte Erfassung deutlich besser funktionieren und Hersteller stärker in die Verantwortung für die verbleibenden Risiken und Kosten einbezogen werden.“
Technischer Brandschutz stößt an Grenzen
Die Unternehmen haben erheblich in Brandfrüherkennung, Löschtechnik, organisatorische Abläufe und die Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden investiert. Diese Maßnahmen wirken: Ein großer Teil der Ereignisse wird im Betrieb beherrscht.
2025 wurden 54 Prozent der erfassten Löschereignisse durch das Betriebspersonal unter Kontrolle gebracht. Bei Bränden im engeren Sinne musste die Feuerwehr in rund acht Prozent der Fälle eingreifen. Wegen der stark gestiegenen Brandzahl hat sich die absolute Zahl der Feuerwehreinsätze zwischen 2021 und 2025 dennoch mehr als verdoppelt.
Mehr als die Hälfte der Anlagen, die hierzu Angaben machten, war bereits von Betriebseinschränkungen, Betriebsunterbrechungen oder vollständigen Betriebseinstellungen infolge von Brandereignissen betroffen.
Versicherbarkeit zunehmend unter Druck
87 Prozent der befragten Anlagen verfügten zum Erhebungszeitpunkt über eine Feuerversicherung, 13 Prozent nicht. Als Gründe für fehlenden Versicherungsschutz wurden unter anderem Kündigungen nach Brandereignissen, hohe Prämien und Selbstbeteiligungen sowie verschärfte Anforderungen an den Brandschutz genannt. Einzelne Betreiber berichteten zudem vom Rückzug von Versicherern aus dem Entsorgungssektor.
Die Studie belegt keine generelle Nicht-Versicherbarkeit der Branche. Sie zeigt jedoch, dass zunehmend entscheidend wird, zu welchen Bedingungen und zu welchen Kosten Versicherungsschutz noch verfügbar ist.
Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE: „Wenn Brandschutzinvestitionen, Selbstbehalte und Versicherungsprämien immer weiter steigen, wird aus dem Brandrisiko ein Infrastrukturproblem. Wir brauchen Entsorgungs- und Recyclinganlagen, die nicht nur technisch sicher, sondern auch wirtschaftlich dauerhaft betreibbar und versicherbar sind.“
Herstellerfinanzierter Präventions- und Ausgleichsfonds
Aus gutachterlicher Sicht erscheint ein von den Herstellern finanzierter Präventions- und Ausgleichsfonds als geeignetes Instrument. Er könnte unter anderem kontinuierliche Verbraucheraufklärung und eine verbrauchernahe Erfassung finanzieren, Investitionen in vorbeugenden Brandschutz unterstützen, nicht ausreichend versicherte Schäden abfedern und zur Stabilisierung der Versicherbarkeit beitragen. Die konkrete rechtliche und finanzielle Ausgestaltung bleibt zu klären.
Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE: „Wer batteriehaltige Produkte in Verkehr bringt, muss auch Teil der Lösung sein. Ein herstellerfinanzierter Präventions- und Ausgleichsfonds ist dafür ein schlüssiger Ansatz. Er darf Maßnahmen gegen Fehlwürfe nicht ersetzen, kann aber Prävention und verbleibende Risiken verursachergerechter finanzieren.“
BDE: Rückgabeanreize gezielt einsetzen
Der BDE spricht sich darüber hinaus dafür aus, für besonders fehlwurfgefährdete Produktgruppen gezielte ökonomische Rückgabeanreize – einschließlich Pfand- oder Cashback-Modellen – konkret zu prüfen und zu erproben.
Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE weiter: „Die entscheidende Frage lautet nicht nur, was ein Pfand- oder Cashback-System kostet. Wir müssen auch fragen, was es kostet, wenn wir nichts ändern. Bei Schäden in dreistelliger Millionenhöhe und wachsenden Belastungen für Unternehmen und Versicherer ist Nichthandeln keine kostenfreie Alternative.“
Jede und jeder kann Fehlwürfe verhindern
Ein entscheidender Hebel liegt bereits bei der richtigen Rückgabe. Batterien und batteriehaltige Geräte gehören nicht in Restabfall,
Gelbe Tonne, Altpapier oder andere ungeeignete Abfallströme. Sie müssen über die vorgesehenen Sammel- und Rückgabestellen abgegeben werden.
Mit seiner Kampagne „Brennpunkt: Batterie“ informiert der BDE seit Jahren über die Gefahren von Fehlwürfen. Inzwischen wurden mehr als zwei Millionen Warnaufkleber für Abfallbehälter und Sammelfahrzeuge verteilt. Der Warnaufkleber wird auch in der neuen Studie als Beispiel für Verbraucherkommunikation unmittelbar am Ort der Entsorgungsentscheidung aufgegriffen.
Aufklärung allein reicht jedoch nicht. Sie muss mit leicht erreichbaren Rückgabemöglichkeiten, einer wirksameren Erfassung und geeigneten wirtschaftlichen Anreizen verbunden werden.
Zur Studie
Die Studie „Brandereignisse in der Entsorgungswirtschaft“ wurde von ASA, BDE, bvse, CMA und VKU beauftragt und von INFA, u&i sowie Prognos AG bearbeitet. Grundlage ist unter anderem eine bundesweite Verbändeumfrage unter 181 Anlagen für die Jahre 2021 bis 2025.