Berlin, 28. April 2026 – Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft sieht im Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) zur Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility - EPR) für Textilien einen Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig fordert der Verband deutliche Nachbesserungen bei der Arbeitsteilung zwischen Organisationen für Herstellerverantwortung, privater Entsorgungswirtschaft und Kommunen.
„Überhöhter Rohstoffverbrauch und negative Umweltfolgen durch Fast Fashion, aber auch eine immer schlechtere Marktlage im Bereich der Alttextilien erfordern dringend einen strengeren regulatorischen Rahmen. Die Einführung der EPR für Textilien in Deutschland ist daher überfällig und ein zentraler Hebel, um die strukturellen Defizite entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette zu adressieren“, erklärt Dr. Andreas Bruckschen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDE. „Das Ende März 2026 vorgestellte Eckpunktepapier liefert aber nur eine grobe Orientierung und lässt viele Fragen offen.“
Der BDE kritisiert den vorgesehenen Sonderstatus der Kommunen mit weitreichenden Optierungsrechten bei der Sammlung von Alttextilien. Zudem sollen den Organisationen für Herstellerverantwortung (OfH) enge Grenzen bei der Zusammenarbeit mit bestehenden Sammeldienstleistern gesetzt werden, die einer Bestands- und Vergütungsgarantie für diese Gruppen darstellt. „Effizienz- und Bedarfsaspekte werden hier vom Umweltministerium komplett ausgeblendet und bergen das Risiko steigender Systemkosten und sinkender Steuerungsfähigkeit“, so Andreas Bruckschen.
Aus Sicht des Verbandes müssen die Organisationen für Herstellerverantwortung (OfH) die operative Verantwortung für Sammlung und Verwertung vollständig wahrnehmen können. Voraussetzung dafür sind diskriminierungsfreie Wettbewerbsbedingungen, klare Zuständigkeiten und einheitliche Rahmenbedingungen für alle Marktakteure.
„Ohne vollständige Kostenwahrheit und klare Zuständigkeiten droht die EPR ihre Lenkungswirkung zu verfehlen“, so Bruckschen weiter. „Wir brauchen ein System, das ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verbindet und Investitionen in hochwertige Kreislaufführung mittels modernder Sortier- und Recyclingtechnologien ermöglicht.“
Die vorgesehene Ökomodulation der Herstellerbeiträge anhand qualitativer Kriterien bewertet der BDE grundsätzlich positiv, sieht jedoch erheblichen Konkretisierungsbedarf und fordert eine Verknüpfung mit den zu erwartenden EU-Vorgaben im Bereich Ökodesign. Die Erfahrungen aus dem Bereich der Verpackungsabfälle zeigen, dass Ökomodulation im Wettbewerb der Systeme ohne klaren rechtlichen Rahmen nicht zu realisieren ist.
Der Verband spricht sich für Rezyklateinsatzquoten und eine Förderung der Entwicklung von Sortierung und Recycling aus, um den Hochlauf des Faser-zu-Faser-Recyclings zu beschleunigen.
Für die Funktionsfähigkeit des Systems fordert der BDE die Einrichtung einer zentralen, bundeseinheitlichen Stelle, die Registrierung, Aufsicht und Clearing zwischen den Systemen übernimmt. Nur so können Wettbewerbsverzerrungen vermieden und ein einheitlicher Vollzug sichergestellt werden.