Verbände fordern einheitliches Ende der Abfalleigenschaft für Altpapier in Deutschland
Verbände setzen sich für einheitliche End-of-Waste-Kriterien zur Stärkung der Rechtssicherheit und Rohstoffsicherung ein. Eine gemeinsame Studie soll die praktische Umsetzung unterstützen.
Berlin, 13. Oktober 2026. Die Verbände BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V., bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V und DIE PAPIERINDUSTRIE (DPI) der Wertschöpfungskette Papier appellieren an die Bundesregierung, eine verbindliche und einheitliche Regelung zum Ende der Abfalleigenschaft (End of Waste / EoW) von Altpapier gemäß § 5 Abs. 1 KrWG in Deutschland – und perspektivisch auch in Europa – einzuführen. Ziel der gemeinsamen Initiative ist es, den Industriestandort Deutschland zu stärken und dafür die Produktion sowie die Rohstoffsicherung des Stoffstroms Papier in Deutschland zu gewährleisten. Hierzu ist es erforderlich, die Erfassung und Verwertung von Altpapier gezielt auszubauen.
Nach Ansicht der Verbände kann dies nur durch einen verlässlichen Produktstatus für Altpapier gelingen. Altpapier soll diesen Status erlangen können, sofern es getrennt von anderen Materialien gesammelt, von zertifizierten Entsorgungsfachbetrieben sortiert bzw. behandelt und durch zertifizierte Prozesse qualitätsgesichert wurde. Zudem muss die Erfüllung der Qualitätskriterien überprüfbar sein, die sich aus den Sortendefinitionen der DIN EN 643 für die Altpapiersorten der Gruppen 1 bis 4 ergeben. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann Altpapier bereits nach der Behandlung durch den Entsorgungsfachbetrieb als Produkt in den Wirtschaftskreislauf zurückkehren. Anschließend wird der Stoffkreislauf Papier durch den Wiedereinsatz in der Papierindustrie geschlossen.
Um die einheitliche und rechtssichere Umsetzung entsprechender End-of-Waste-Kriterien zu unterstützen, geben die Verbände der Wertschöpfungskette Papier in Deutschland und Österreich gemeinsam eine begleitende Studie zur Bestimmung von Störstoffen in Altpapier in Auftrag. Das Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) soll eine normkonforme und praxistaugliche Methode zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von Störstoffanteilen in Altpapiermischungen entwickeln.
Im Rahmen der Studie sind unter anderem die Analyse bestehender Normen, Industriestandards und gesetzlicher Grundlagen, die Entwicklung geeigneter Probenahme- und Analysestrategien sowie eine praktische Erprobung in Modellbetrieben vorgesehen. Ziel ist eine transparente, nachvollziehbare und mit einfachen betrieblichen Mitteln durchführbare Methodik zur Bestimmung von Störstoffen in Altpapiermischungen gemäß DIN EN 643.
An der gemeinsamen Initiative und dem Forschungsprojekt beteiligen sich in Deutschland DIE PAPIERINDUSTRIE (DPI), der bvse Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. sowie der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. Darüber hinaus sind für Österreich AUSTROPAPIER und der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) an der Studie beteiligt.