65 Jahre BDE: Kreislaufwirtschaft stärkt Europas Industrie und Resilienz

Zum 65-jährigen Bestehen fordert der BDE: Kreislaufwirtschaft muss stärker als Wirtschafts-, Industrie-, Rohstoff- und Sicherheitspolitik verstanden werden.

65 Jahre BDE: Kreislaufwirtschaft stärkt Rohstoffsicherheit und industrielle Zukunft der EU

Berlin, 11. November 2026. Rohstoffsicherheit ist zu einer Schlüsselfrage für die wirtschaftliche Stärke und politische Handlungsfähigkeit der Europäischen Union geworden. Geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und ein verschärfter globaler Wettbewerb machen die Verwundbarkeit einer rohstoffarmen und zugleich hochindustrialisierten EU sichtbar. Eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft erschließt Rohstoffe, die bereits vorhanden sind, und verringert so Abhängigkeiten von internationalen Rohstoffmärkten. Anlässlich seines 65-jährigen Bestehens fordert der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. deshalb, Kreislaufwirtschaft in Deutschland stärker als Teil der Wirtschafts-, Industrie- und Rohstoffpolitik zu verstehen und Umwelt- und Wirtschaftspolitik dabei enger zusammenzuführen.

Als sich 1961 in Offenbach am Main 41 private Unternehmer zusammenschlossen und den Vorläufer des heutigen BDE gründeten, bestimmten Straßenreinigung, Müllabfuhr und Kanaldienste das Bild der Branche. Heute gewinnen Unternehmen der Kreislaufwirtschaft Metalle, Kunststoffe, mineralische Baustoffe und weitere zum Teil kritische Rohstoffe zurück, bereiten sie auf und führen sie erneut der industriellen Produktion zu. Aus einem Wirtschaftszweig, dessen Kernaufgabe einst die sichere Beseitigung von Abfällen war, ist über sechs Jahrzehnte ein wichtiger Teil industrieller Wertschöpfung geworden.

Diese Entwicklung hat auch die politische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft verändert. Recyclingrohstoffe können Primärrohstoffe nicht vollständig ersetzen. Sie können jedoch Lieferketten verkürzen, die Versorgung der Industrie breiter aufstellen und die europäische Wirtschaft widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Verwerfungen machen.

„Unsere Branche hat sich in 65 Jahren grundlegend gewandelt. Heute sind unsere Unternehmen Rohstofflieferanten für die Industrie.
Sie investieren in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien und schaffen damit die Voraussetzung, dass wertvolle Materialien erneut genutzt werden können. Eine verlässliche Rohstoffversorgung sichert industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Ihre Bedeutung reicht damit bis in den Alltag der Bürgerinnen und Bürger: Sie trägt zur Versorgungssicherheit und zum Wohlstand Deutschlands und der EU bei“, erläutert Matthias Harms, Präsident des BDE.

Auch der Verband selbst ist mit den Aufgaben seiner Branche gewachsen. Aus dem Zusammenschluss von 41 privaten Städtereinigungsunternehmen hat sich ein Wirtschafts- und Arbeitgeberverband mit heute rund 800 Mitgliedsunternehmen entwickelt.
Die Branche ist bis heute überwiegend mittelständisch und vielfach familienunternehmerisch geprägt. Diese Struktur kennzeichnet den Verband bis heute und steht für Unternehmen, die langfristig in Deutschland investieren und sich dem Wirtschaftsstandort verpflichtet fühlen.

Welche wirtschaftliche Kraft von der Kreislaufwirtschaft ausgeht, zeigen die Zahlen: Im Jahr 2024 waren der Branche mehr als 322.000 Erwerbstätige zuzurechnen. 2023 erwirtschaftete die Kreislaufwirtschaft einen Umsatz von rund 106,3 Milliarden Euro, ihre Bruttowertschöpfung erreichte 2024 rund 38 Milliarden Euro.

„Als BDE fordern wir, die gewachsene Bedeutung der Kreislaufwirtschaft auch politisch stärker abzubilden. Ihre historische Verankerung in der Umweltpolitik ist nachvollziehbar. Abfallbeseitigung war und ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge und des Umweltschutzes.
Die Kreislaufwirtschaft von heute leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Rohstoffversorgung und ist längst Teil moderner Industriepolitik. Um ihre Potenziale vollständig zu nutzen, müssen Umwelt- und Wirtschaftspolitik deshalb enger zusammengedacht werden. Auf europäischer Ebene wird ihre strategische und industriepolitische Bedeutung bereits stärker berücksichtigt. Daran sollte sich Deutschland orientieren“, ergänzt Dr. Andreas Bruckschen, Hauptgeschäftsführer des BDE.

Um dieser gewachsenen Bedeutung gerecht zu werden, braucht die Branche die richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiepreise, schnellere Genehmigungen, verlässliche Märkte für Recyclingrohstoffe sowie Investitionssicherheit für neue Sortier-, Aufbereitungs- und Recyclingkapazitäten und nachhaltige öffentliche Beschaffung.

65 Jahre nach der Gründung des BDE ist Kreislaufwirtschaft zu einem wesentlichen Faktor geworden, um Rohstoffe im eigenen Wirtschaftskreislauf zu halten, industrielle Wertschöpfung zu sichern und die Abhängigkeit Deutschlands und der EU von Rohstoffimporten zu verringern.