Globale Kreislaufwirtschaft braucht Rezyklathandel

BDE-Studie unterstreicht Bedeutung des Handels mit Recyclingrohstoffen durch Im- und Exporte von Abfällen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft

17.09.2020

Deutschland hat im Jahr 2018 rund 25,2 Millionen Tonnen Abfälle in insgesamt 163 Länder exportiert. 89 Prozent dieser Abfälle blieben in Europa. Mit einem Anteil von 41 Prozent waren Metalle der größte Posten dieses Handels. Lediglich vier Prozent (1, 1 Millionen Tonnen) der Gesamtmenge entfielen auf Kunststoffe. Das Gesamtabfallaufkommen lag in Deutschland im Jahr 2018 bei 417 Millionen Tonnen.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, die der Verband am Donnerstag in Berlin vorgelegt hat.

Die Erhebung belegt ferner, dass 95 Prozent der Abfallexportmenge auf 24 Länder entfielen. Mit einem Anteil von 26 Prozent liegen die Niederlande dabei an der Spitze. Malaysia hat demnach einen Anteil von einem Prozent und liegt damit in der Statistik auf Platz 20.

Die BDE-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass sich 97 Prozent der Abfallexporte auf sieben Rohstoffarbeiten beziehen. Nach den Metallen entfallen 25 Prozent auf pflanzliche und tierische Abfälle. 11 Prozent der Exportmenge macht das Altpapier aus, gefolgt von einem Anteil von neun Prozent Aschen und Schlacken. Mit einem Anteil von drei Prozent und zwei Prozent haben Altholz und Textilien einen vergleichsweise niedrigen Anteil.

Im gleichen Jahr hat Deutschland eine Abfallgesamtmenge von 21,5 Millionen Tonnen importiert. Dabei entfielen 98 Prozent dieser Importmenge auf sieben Rohstoffarten. Hier machten pflanzliche und tierische Abfälle (29 Prozent), Metalle (28 Prozent) und Altpapier (22 Prozent) den größten Anteil aus. 89 Prozent der Importe kamen aus europäischen Ländern.

BDE-Präsident Peter Kurth erklärte zur Vorstellung der Studie: „Der weltweite Handel von Abfällen gehört zu den Themen, die in der öffentlichen Diskussion sehr emotional diskutiert werden. Die BDE-Untersuchung, die die Daten des Statistischen Bundesamtes für 2018 auswertet, ist ein Beitrag zur Versachlichung der Debatte. Unsere Erhebung stellt umfassend dar, wie es sich tatsächlich mit dem Import und Export von Abfällen verhält. Die Plastikvermüllung der Weltmeere beruht nicht auf dem internationalen Handel mit Abfällen.

Der Handel ermöglicht erst die Rohstoffgewinnung aus Recyclingmaterialien, die auf die ressourcenschädliche Entnahme aus den natürlichen Vorkommen verzichtet. Abfallimporte und -exporte leisten also einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcenschutz, der noch stärkere Effekte erzielen könnte, wenn Strukturen der Kreislaufwirtschaft endlich weltweit etabliert würden. Der Handel mit Abfällen schafft die Voraussetzung dafür, dass die Materialien dort behandelt und weiterverarbeitet werden, wo es ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist und nicht dort, wo die Materialien anfallen. Länder, die keine Aufbereitungsindustrie haben, müssen ihre getrennt gesammelten Abfälle exportieren dürfen, sonst findet Recycling überhaupt nicht statt.

Ferner ist der internationale Abfallhandel ein Betrag, der Deponierung unbehandelter Abfälle endlich ein Ende zu bereiten. Als Verband fordern wir seit langem den Stopp dieser Deponierung, der zunächst in Europa, letztlich aber auch weltweit greifen muss. Ein wichtiger Punkt ist auch der aktive Kampf gegen die illegale Abfallverbringung, die weltweit Schäden anrichtet und eine Zukunftsbranche in Misskredit bringt. Hier fordern wir die Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit und eine weltweite Offensive gegen diese kriminellen Machenschaften.

Der BDE ist der Überzeugung, dass die sinnvolle Verbindung von Ökologie und Ökonomie nur dann gelingt, wenn weltweit anders produziert und konsumiert wird. Dies wird nur möglich sein, wenn wir Materialien nicht nur verbrauchen, sondern gebrauchen und im Kreislauf halten. Dazu braucht es zwingend den internationalen Handel mit Abfällen, die Rohstoffe für Recyclingprozesse sind. Ziel muss sein, zukünftig mehr und mehr auf die Nutzung natürlicher Ressourcen zu verzichten. Nur so gelingt Kreislaufwirtschaft, nur so gelingen der Schutz des Klimas, die Schonung der Ressourcen und die Einsparung von Energie."

Die vollständige Studie finden Sie hier.

Kontakt

Bernhard Schodrowski

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit